Blasenschwäche in den Wechseljahren: Was du selbst tun kannst

Von Yuliia Storozhylova, Physiotherapeutin in Düsseldorf · Zuletzt aktualisiert: 26.10.2026
Kurz gesagt: • Blasenschwäche wird mit dem Alter häufiger. Je nach Studie verlieren 25 bis 45 % der Frauen ungewollt Urin. • Bei Urinverlust beim Husten, Niesen oder Springen ist Beckenbodentraining über mindestens drei Monate die erste Behandlungsoption. • Bei plötzlichem Harndrang empfehlen Leitlinien zuerst Blasentraining über mindestens sechs Wochen, dazu weniger Koffein und eine angepasste Trinkmenge. • Östrogen direkt in der Scheide kann Urinverlust nach den Wechseljahren verbessern. Hormonersatz in Tablettenform empfiehlt die NICE-Leitlinie zur Behandlung von Inkontinenz nicht. Sprich dazu mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt.
Beim Lachen geht etwas daneben. Nachts musst du zweimal raus. Oder der Harndrang kommt so plötzlich, dass du es gerade noch zur Toilette schaffst. Viele Frauen merken in den Wechseljahren, dass sich ihre Blase anders verhält als früher, und schieben es auf das Alter.
Das Alter spielt eine Rolle. Hinnehmen musst du die Beschwerden trotzdem nicht. In diesem Artikel erfährst du, warum sich die Blase in den Wechseljahren verändert, welche Form der Blasenschwäche du hast und was du selbst tun kannst.
Ist Blasenschwäche in den Wechseljahren normal?
Sie ist häufig. In einer Übersicht über Bevölkerungsstudien lag der Anteil der Frauen mit Urinverlust meist zwischen 25 und 45 %. Mit dem Alter steigt er: Ab 70 Jahren sind mehr als 40 % der Frauen betroffen.
Häufig heißt aber nicht, dass nichts zu machen ist. Für die meisten Formen gibt es gut untersuchte Schritte, die du selbst gehen kannst. Warum Inkontinenz ein Symptom ist, das sich behandeln lässt, liest du im Artikel Inkontinenz – ein Symptom, das behandelt werden kann.
Warum verändert sich die Blase in den Wechseljahren?
Weil mehrere Dinge zusammenkommen. Der Östrogenspiegel sinkt. Die Schleimhaut von Scheide und Harnröhre wird dadurch dünner und trockener. Das kann Harndrang, Brennen und Infekte begünstigen.
Dazu kommen Veränderungen, die mit dem Alter allgemein zu tun haben: weniger Muskelmasse, wenn du nicht gezielt trainierst, ein Bindegewebe, das sich verändert, und oft ein paar Kilo mehr. Frühere Geburten können ebenfalls nachwirken, auch wenn sie lange her sind. Warum es dafür nicht zu spät ist, erkläre ich im Artikel Rückbildung Jahre nach der Geburt.
Für dich ist eine Frage wichtiger als die Ursache: Welche Form der Blasenschwäche hast du? Davon hängt ab, was dir hilft.
Welche Form der Blasenschwäche habe ich?
Es gibt drei Formen:
Belastungsinkontinenz: Urin geht verloren, wenn der Druck im Bauch steigt, beim Husten, Niesen, Lachen, Heben oder Springen.
Dranginkontinenz: Du spürst plötzlich einen starken Harndrang und schaffst es nicht mehr rechtzeitig zur Toilette.
Mischinkontinenz: beides zusammen.
Ein Blasentagebuch hilft dir, das einzuordnen. Die NICE-Leitlinie empfiehlt, es mindestens drei Tage zu führen, an Arbeits- und an freien Tagen. Notiere, wann und wie viel du trinkst, wann du zur Toilette gehst und wann Urin verloren geht.
Spürst du zusätzlich ein Druckgefühl nach unten, kann eine Senkung dahinterstecken. Mehr dazu im Artikel Gebärmuttersenkung: Welche Übungen helfen.
Was hilft bei Urinverlust beim Husten oder Niesen?
Beckenbodentraining. Bei Belastungs- und Mischinkontinenz ist es die erste Behandlungsoption und gut untersucht. In einer Cochrane-Übersicht berichteten Frauen mit Training deutlich häufiger, dass der Urinverlust verschwunden war, als Frauen ohne Training. Eine Altersgrenze dafür nennen die Leitlinien nicht.
Die NICE-Leitlinie empfiehlt ein angeleitetes Training über mindestens drei Monate, mit mindestens 8 Anspannungen dreimal am Tag. Wie du die richtige Bewegung findest, erkläre ich im Artikel zu Kegel-Übungen. Ob du richtig anspannst, kannst du selbst ertasten. Am verlässlichsten ist aber die Anleitung durch eine Beckenboden-Physiotherapeutin.
Was hilft bei ständigem Harndrang?
Blasentraining. Die NICE-Leitlinie und die deutsche S2k-Leitlinie empfehlen es als erste Behandlung bei Drang- und Mischinkontinenz, laut NICE über mindestens sechs Wochen.
Beim Blasentraining verlängerst du die Abstände zwischen den Toilettengängen Schritt für Schritt. Wenn der Drang kommt, bleibst du zuerst stehen oder setzt dich, atmest ruhig und spannst den Beckenboden ein paar Mal kurz an. Wenn der Drang nachlässt, gehst du in normalem Tempo zur Toilette. Wie das Schritt für Schritt geht, liest du im Artikel Dranginkontinenz und überaktive Blase.
Zwei Dinge im Alltag können zusätzlich helfen:
Weniger Koffein: Leitlinien empfehlen bei Harndrang, Koffein testweise zu reduzieren, also zum Beispiel Kaffee, schwarzen oder grünen Tee und Cola.
Angepasste Trinkmenge: Weder sehr viel noch sehr wenig. Zu wenig Trinken macht den Urin konzentrierter und kann die Blase reizen.
Wenn du deutlich übergewichtig bist, empfiehlt NICE außerdem, Gewicht zu reduzieren.
Hilft Östrogen bei Blasenschwäche?
Örtlich angewendet kann es helfen. Eine Cochrane-Übersicht kam zu dem Ergebnis, dass Östrogen direkt in der Scheide Urinverlust nach den Wechseljahren verbessern kann. Frauen mussten etwas seltener zur Toilette und hatten weniger Harndrang. Die deutsche S2k-Leitlinie empfiehlt bei Frauen nach den Wechseljahren mit Urinverlust eine vaginale Östriol-Behandlung, vor allem bei Harndrang und trockener Schleimhaut.
Anders ist es bei Hormonen in Tablettenform: Die NICE-Leitlinie empfiehlt eine systemische Hormonersatztherapie nicht zur Behandlung von Inkontinenz. Ob und welche Behandlung für dich passt, entscheidest du mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt. Training und Östrogen schließen sich nicht aus.
So startest du: fünf Schritte
Führe drei Tage ein Blasentagebuch. So erkennst du deine Form und deinen Ausgangswert.
Trainiere deinen Beckenboden. Halten, schnelle Anspannungen und Anspannen vor dem Husten.
Teste weniger Koffein. Probier es zum Beispiel zwei Wochen lang und vergleiche dein Blasentagebuch.
Prüfe deine Trinkmenge. Verteile das Trinken über den Tag und trink abends etwas weniger, wenn du nachts oft raus musst.
Trainiere Kraft. Kniebeugen, Heben, Treppen: Dein Beckenboden soll in diesen Situationen arbeiten, also übst du sie.
Ich arbeite viel mit Frauen nach der Geburt. Die Prinzipien sind in den Wechseljahren dieselben: genau hinschauen, gezielt trainieren, Fortschritt messen. Mehr zu meinem Angebot für diese Lebensphase findest du auf der Seite Beckenboden in den Wechseljahren.
Wann du zuerst zur Ärztin oder zum Arzt gehst
Bitte lass dich zuerst ärztlich untersuchen, wenn
du Blut im Urin bemerkst,
es beim Wasserlassen brennt oder du Fieber hast,
du immer wieder Harnwegsinfekte hast,
du das Gefühl hast, die Blase nicht leer zu bekommen,
du nach den Wechseljahren wieder Blutungen aus der Scheide hast,
die Beschwerden plötzlich neu und stark sind.
Termin buchen
Du willst wissen, welche Form der Blasenschwäche du hast und wie dein Training aussehen kann? Buch deinen Termin über Doctolib: Termin buchen. Für kurze Fragen erreichst du mich per WhatsApp.
Der Beckenboden-Check-up klärt, wo dein Beckenboden steht. Hast du Beschwerden, ist der nächste Schritt die Beckenbodentherapie mit Beckenboden- und Blasentraining. Mehr zu allen Formen von Urinverlust findest du auf meiner Seite zur Inkontinenz-Therapie in Düsseldorf. Die Termine finden in der Schwerinstraße 17 in Düsseldorf-Pempelfort statt, in den Räumen von CrossFit 40477.
Häufige Fragen zur Blasenschwäche in den Wechseljahren
Ist Inkontinenz in den Wechseljahren normal?
Sie ist häufig: Je nach Studie verlieren 25 bis 45 % der Frauen ungewollt Urin, ab 70 Jahren mehr als 40 %. Häufig heißt nicht, dass du sie hinnehmen musst. Beckenbodentraining und Blasentraining sind gut untersuchte erste Schritte.
Welche Übungen helfen bei Blasenschwäche ab 50?
Bei Urinverlust beim Husten, Niesen oder Heben hilft Beckenbodentraining über mindestens drei Monate. Bei plötzlichem Harndrang empfehlen Leitlinien zuerst Blasentraining über mindestens sechs Wochen. Eine Altersgrenze für das Training nennen die Leitlinien nicht.
Ist es mit 60 zu spät für Beckenbodentraining?
Nein. Die NICE-Leitlinie und die deutsche S2k-Leitlinie empfehlen Beckenbodentraining bei Belastungs- und Mischinkontinenz ohne Altersgrenze. Plane mindestens drei Monate regelmäßiges Training ein, bevor du das Ergebnis beurteilst.
Hilft Östrogen bei Blasenschwäche in den Wechseljahren?
Örtlich in der Scheide angewendet kann Östrogen Urinverlust nach den Wechseljahren verbessern. Die NICE-Leitlinie empfiehlt eine systemische Hormonersatztherapie dagegen nicht zur Behandlung von Inkontinenz. Ob eine Behandlung für dich passt, klärst du mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt.
Was ist Blasentraining?
Beim Blasentraining verlängerst du die Abstände zwischen den Toilettengängen Schritt für Schritt. Wenn der Drang kommt, bleibst du stehen, atmest ruhig und spannst den Beckenboden kurz an, bis der Drang nachlässt. Die NICE-Leitlinie empfiehlt es bei Harndrang als erste Behandlung über mindestens sechs Wochen.
Wie führe ich ein Blasentagebuch?
Notiere mindestens drei Tage lang, an Arbeits- und an freien Tagen, wann und wie viel du trinkst, wann du zur Toilette gehst und wann Urin verloren geht. So empfiehlt es die NICE-Leitlinie. Das Tagebuch zeigt dir deine Form der Blasenschwäche und deinen Ausgangswert.
Sollte ich weniger trinken, wenn ich eine schwache Blase habe?
Nicht pauschal. Zu wenig Trinken macht den Urin konzentrierter und kann die Blase reizen. Leitlinien empfehlen, die Trinkmenge zu prüfen und anzupassen, wenn sie sehr hoch oder sehr niedrig ist.
Über die Autorin: Yuliia Storozhylova ist Physiotherapeutin in Düsseldorf mit Schwerpunkt Beckenboden, Schwangerschaft und Rückbildung. Sie hat die Physio-Pelvica-Ausbildung der AG GGUP abgeschlossen und steht auf deren Therapeut:innen-Liste. Fortbildungen u. a. zu Ultraschall in der Beckenbodenphysiotherapie und zu Organsenkung und Belastungsinkontinenz (Advanced POP/SUI, WHTA). Mehr über mich
Quellen
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Cody JD, Jacobs ML, Richardson K, Moehrer B, Hextall A. Oestrogen therapy for urinary incontinence in post-menopausal women. Cochrane Database Syst Rev 2012;10:CD001405. doi:10.1002/14651858.CD001405.pub3
National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Urinary incontinence and pelvic organ prolapse in women: management. NICE guideline NG123, 2019 (Empfehlungen 1.3.13, 1.4.1–1.4.5, 1.4.11, 1.4.36). https://www.nice.org.uk/guidance/ng123
Naumann G, Aigmüller T, Bader W, et al. Diagnosis and Therapy of Female Urinary Incontinence. Guideline of the DGGG, OEGGG and SGGG (S2k-Level, AWMF Registry No. 015/091, January 2022). Part 1. Geburtshilfe Frauenheilkd 2023;83(4):377–409 (Empfehlungen E4-06, E4-07, E4-09, E4-10, E5-13). doi:10.1055/a-1967-1726



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